Kisch, du hast ja geschwindelt!

Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter, hat in seinem aufregenden Journalistenleben oft an der Wahrheit vorbei geschrieben. Aber aus Anlass seines 120. Geburtstags seien ihm die kleinen Unwahrheiten verziehen.



Er liebte Schnurren, am liebsten diese: An der Spitze einer Gruppe Rotgardisten habe er am 12. November 1918, dem Tag der Ausrufung der Republik Deutsch-Österreich, in revolutionärem Fieber das Gebäude der „Neuen Freien Presse“, Sprachrohr des Großbürgertums, in Wien gestürmt. Im Vorzimmer der Redaktion sei er dabei zufällig seinem älteren Bruder begegnet, der ihn erschrocken gefragt habe: „Egon, was machst du da?“

Egon, der Revoluzzer, aber setzte dem Bruder die Pistole an die Brust: „Im Namen der Revolution, die ‚Neue Freie Presse’ ist besetzt. Gib mir sofort die Schlüssel zur Redaktion.“ Da habe ihm der Bruder wütend zugezischt: „Gut, ich weiche der Gewalt, aber mach dich nur auf was gefasst, ich schreib’ alles unserer Mutter.“

Die Anekdote machte Geschichte, denn Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter mit Bleistift und Notizbuch auf der Hetzjagd durch die Zeit der Geschichte, verstand es, Geschichten zu erzählen. Er war, wie ihm einst Alfred Döblin bescheinigte, „mit dem Öl des Erzählers gesalbt.“
Hunderte Male hatte Kisch „seine Besetzung“ geschildert, aufgeschrieben aber hatte er sie nie.

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