Die grüne Hölle

Über 7.000 Kilometer wälzt sich der mächtigste Strom der Erde – von den Anden zum Atlantik. Wer die magische Wasserstraße bewältigen möchte, braucht vor allem ausreichend Geduld und eine Menge Zeit.





Die Uhren ticken anders in Peru. „Mañana, 15.30 Uhr.“ So stand es vorgestern auf der Kreidetafel am Bug der MV Claudia, als wir uns mit einer Motor-Rikscha zum Flusshafen von Pucallpa aufmachten, auf der Suche nach Frachtschiffen stromabwärts. Gestern kannten wir dann bereits die Lehmstraße über die eingestürzte Brücke, die zur derzeitigen Anlegestelle führt.

Sommer ist Niedrigwasserzeit im peruanischen Oberlauf des Amazonas, und die Häfen liegen da, wo Wasserstand und Lehmbänke die Beladung zulassen. Allerdings war das verheißungsvolle Schild immer noch dort, und Karawanen von Trägern balancierten Zwiebel- und Zementsäcke in den Bauch des wurmstichigen Kahns. Mañana, diesmal 16.30 Uhr. „Mañana“ heißt offiziell „morgen“, in unserem Fall aber eher heute wieder einmal nicht.

Pucallpa, ein schwitzendes Städtchen am Nordostende aller peruanischen Straßen, am Oberlauf des Ucayali, liegt läppische 26 Stunden Busfahrt und einige eisige Andenpässe von der Hauptstadt Lima entfernt. Hier starten sporadisch Kutter nach Iquitos. Kurz davor mündet der Urubamba, der durch die sagenhafte Inkahauptstadt Machu Picchu fließt, doch von Hochkultur ist in dem geschäftigen Provinzstädtchen mit den wenigen geteerten Gassen nichts zu merken.

„Bis Iquitos? Vier Tage. Oder sechs, das hängt von Nebel, Sandbänken und Passagieren ab“, klärt uns Señor Pedro auf, der Kapitän der MV Vanessa. „Wir holen jeden, wenn es der Wasserstand zulässt.“ Und das tat er. Denn die Vanessa fuhr tatsächlich an diesem Tag, die MV Claudia aber noch lange nicht.

Herkömmliche Kreuzfahrten sehen anders aus. Aber für 60 Sol, umgerechnet 20 Euro für Vollpension darf man nicht wählerisch sein. Selbstbedienung ist im Vorfeld angesagt: Die unvermeidlichen Hängematten gibt’s in der kleinen Holzstelzenstadt im Hafengelände davor im Abverkauf zu 10 Sol das Stück. Plastikschüsseln ebenso, denn irgendwo will Maria, die Schiffsköchin, den morgendlichen Maisbrei ja hineinklatschen.

Zu Mittag erwarten die Passagiere dann Fisch, Kochbananen und Reis, abends Hähnchen und kalter Reis. Dazu gibt’s frischgepressten Orangensaft vom Orangenmann, einem Händler, dessen gigantischer Zitrusfrüchteberg am Bug der Vanessa nächtens stetig schwindet, obwohl er daneben schläft.

„Hay pan, dulce, gaseosa!“ Brot, Süßigkeiten, Säfte! Die MS Vanessa füllt sich bei jedem Stopp mit fliegenden Händlern, die sich durch ein Gewirr von Hängematten schlängeln und neben Nahrung, Kanarienvögel und junge Chinchillas im Angebot haben, die sich auch bestens verkaufen. Wer Privatsphäre schätzt, ist hier auf dem falschen Dampfer ...

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