Kim ist Kult

Kim Jong Il hat Angst. Vor Amerikanern, vor fremden Einflüssen, sogar vorm eigenen Volk. Touristen dürfen das Reich des großen Unsichtbaren nur unter Aufsicht bereisen. Der Diktator gibt immer wieder Rätsel auf. Mal verschwindet er, dann taucht er wieder auf.





Ein Knopfdruck genügt, und San Francisco ist ein Trümmerhaufen“, sagt Herr Kim, nippt an seinem Reisschnaps und meint es sehr ernst. Herr Kim ist 24, trägt einen schwarzen Anzug mit violetter Krawatte unter seinem Ledermantel, am Revers einen Sticker von Kim Il Sung, und benutzt jeden Telefonapparat zur Rücksprache mit der Zentrale, um zu klären, was mit mir geschehen soll. Herr Kim spricht vom ewigen Präsidenten, wenn er Kim Il Sung meint, und vom General, wenn er von Kim Jong Il erzählt. Er verneigt sich feierlich vor allen Büsten von Vater und Sohn, und ich mit ihm, 45 Grad abgewinkelt an der Hüfte, den Blick ehrfurchtsvoll gesenkt.

Es gibt geschätzte 35.000 Büsten, Portraits und Monumente in der letzten kommunistischen Erb-Bastion des Führerkults, der vor 55 Jahren begonnen hat und ohne Ende scheint – manche in Hausgröße. Alle sehen wir nicht. Ich verbeuge mich oft und lächle nie dabei. Das fällt nur anfangs schwer.

Denn keiner lächelt. Herr Kim am allerwenigsten, der ab der chinesisch-nordkoreanischen Grenzstation Sinuiju bei mir sein muss, um „unziemliches Verhalten“ zu verhindern. Zur Sicherheit behält er meinen Reisepass den ganzen Aufenthalt über bei sich. „Keine Bilder bis Pjöngjang“, sagt er, um dann mit seinen chinesischen Kollegen Karten zu spielen. Die haben Nachschub für seinen Minidiskplayer und ein Stromaggregat in Kistengröße ins rote Reich der Kim-Familie geschmuggelt.

Die Zöllner interessiert das kaum. Man kennt einander offenbar. Sie suchen drei Stunden lang lieber Verbotenes, wie Mobiltelefone, „entartete“ Literatur und feindliche Propagandaschriften. Sie suchen gern und genau, denn auf den Kurswagen aus Moskau müssen sie ohnedies warten.

Gut, dass es auf Bahnsteig 1 eine Kleinbuchhandlung gibt, die Kim Il Sungs wichtigste Werke in handlicher Brevierform vertreibt, praktischerweise auf Englisch und Deutsch. Weiter als hierher darf ohnedies kein Fremder.

„Er hat 10.000 geschrieben“, stellt Herr Kim in tadellosem Englisch klar und bläst mir eine Zigarettenrauchwolke ins Gesicht. Wartesaal, Bahnhofsgelände und Toiletten sind verriegelt und bleiben tabu, wie in abgehackter Zeichensprache unmissverständlich klargemacht wird.

Die stark geschminkten Damen mit Trillerpfeife und Stöckelschuhen sehen so streng aus wie ihre grauen Kostüme. Streng wird auch der Geruch unter den Waggons, wo sich die Notdürftigkeiten einiger hundert Menschen zu mischen beginnen ...

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