Prag. Einfach kafkaesk

Europas heimliche und unheimliche Hauptstadt hat in ihrer bewegten Geschichte viele Künstler in ihren Bann gezogen. Einer von ihnen wird noch heute als beliebtes Aushängeschild vermarktet: der Schriftsteller Franz Kafka.



Da ist er wieder, der elegante Herr mit der schwarzen Melone, dem Regenschirm und der weißen Nelke im Knopfloch. Er spricht kein Wort, er lächelt mir nur zu. Mehr als dreißig Jahre ist's her, dass wir uns gesehen haben.

Es ist Pan Tau, die Hauptfigur der gleichnamigen tschechischen Fernsehserie. Damals verzauberte er Kinder mit seiner Pantomime und Handbewegung an der Melone. Heute verzaubert Pan Tau Touristen auf der Karlsbrücke – von einem Marionettenspieler geschickt durch die Luft gewirbelt.

Während sich die Besuchermassen den Weg an ihm vorbei über die 650 Jahre alte Moldaubrücke bahnen, spielen Musiker Dixieland-Jazz, und fliegende Händler verkaufen Aquarelle und handgemachten Silberschmuck. Da und dort lassen sich barocke Schönheiten von tschechischen Straßenkünstlern im Stil alter Meister porträtieren. Das also ist die Prager Touristenrennstrecke.

Gestartet sind wir am Altstädter Ring, mitten im Herzen der Goldenen Stadt, dort, wo Besucher den Blick nach oben richten, wo sich am Turm des Altstädter Rathauses die Zeiger der weltberühmten astronomischen Uhr Orloj bewegen. Zu jeder vollen Stunde erscheint in den Fenstern des Turms eine Prozession der zwölf Apostel. Am Ende kräht ein Hahn und die Turmuhr schlägt die volle Stunde – das Startsignal für die am Marktplatz versammelten Touristen.

Ziel ist das linke Moldauufer, die Kleinseite, wo verwinkelte Gassen und überraschend auftauchende Durchgänge romantische Gefühle aufkommen lassen. Die hochgehaltenen Regenschirme der Reiseleiter treiben die Meute voran. Eine geheimnisvolle Macht zieht einen weiter.

In den Sog dieser kafkaesk anmutenden Metropole, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts unter Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel IV. als Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation eine kulturelle, ökonomische und politische Blüte erlebte. Es geht vorbei an der barocken St.-Nikolaus-Kirche, über die Nerudagasse hinauf in Richtung Prager Burg.

Hier nahm 1618 mit dem Zweiten Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg seinen Anfang. Das „Defenestrieren“, wie dieser Prager Brauch genannt wird, kam in der Geschichte öfters vor. So warfen Anhänger des als Ketzer hingerichteten Jan Hus 1419 sieben katholische Ratsherren aus dem Fenster des Neustädter Rathauses. Der dritte Fenstersturz ereignete sich 1948, zwei Wochen nach dem Putsch des Kommunistenführers Klement Gottwald, als der nichtkommunistische tschechoslowakische Außenminister Jan Masaryk, Sohn des Staatsgründers Tomasˇ Garrigue Masaryk im Schlafanzug aus dem Fenster seines Badezimmers stürzte. War’s Selbstmord oder hatten die Genossen mit Hilfe des KGB nachgeholfen?

Heute ist die Prager Burg Sitz des tschechischen Staatspräsidenten Václav Klaus, dessen halbjährige EU-Ratspräsidentschaft reich an Pannen, Pleiten und Patzern war. Auch das innenpolitische Klima in Tschechien wird rauer ...

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