London. Die Lust am Grauen

Die Briten, ein schrulliges Volk. Ein Schauspieler führt Touristen in die dunklen Hinterhöfe von London. Und zeigt, wo Killer ihre Opfer bestialisch töteten. Eine Citytour zum Fürchten



Durch die Gassen des Londoner Stadtteils Spitafield läuft eine finstere Gestalt mit schwarzem Hut und wehendem Frack. Die Gruppe hat Mühe, Mister Fred Strangebone zu folgen. In der Hand schwenkt er ein Petroleumlämpchen, das einen gelben Schein auf sein blasses Gesicht wirft. Der Schatten seiner Zwei-Meter-Statur geistert an der gegenüberliegenden Häuserfront entlang.

In einer düsteren Nebenstraße huscht er in einen Hinterhof. Hier türmen sich Müllsäcke an der unverputzten Mauer, säuerlicher Gestank kriecht in die Nase. Fred dreht sich zur Gruppe. Er stellt die Lampe vor seine Füße, schaut ängstlich nach rechts und links und fährt dann langsam mit der Handkante an seinem Hals entlang. Seine Augen quellen hervor, als hätte Jack the Ripper ihn von hinten im Würgegriff. „Hier schnitt er Annie Chapman die Kehle durch und zerstückelte sie“, sagt Fred mit unheilvoller Stimme.

In London gibt es unzählige Stadtführungen, doch kaum eine ist so stimmungsvoll wie die von Ben Whitehead alias Fred Strangebone. Der Komiker und Stimmenimitator führt Touristen nicht durch Nobel-Viertel mit Champagner- und Sushi-Bars, sondern in die dunkelsten Ecken der Millionenstadt, wo der berühmteste Serienmörder der Welt im 18. Jh. fünf Prostituierten Bauch und Kehle aufschlitzte.

Ben hatte schon als Kind einen Hang zum Horror. Er liebte es, wenn seine Mutter ihm Gruselgeschichten vorlas. Später besuchte er die Schauspielschule und wurde „voice artist“. Heute bietet der Künstler fünf verschiedene Gruselwalks durchs Eastend an.

Das ehemalige Arbeiter- und Einwandererviertel, in dem einst Suff, Raub und Mord regierten, ist noch heute ein Stadtteil für Geringverdiener ohne Prunk und Protz, mit gut gefüllten Eckkneipen. Wenn Ben die Straßen mit finsterer Miene durchschreitet, schaut ihm so mancher Passant erschrocken hinterher. Nur der Bettler am Bishopsgate kennt ihn schon und winkt jedes Mal zum Gruß.

Doch Ben – der im Kino-Trickfilm „Wallace and Gromit“ übrigens Mr. Leaching seine Stimme lieh – macht nicht nur Gruselgeschäfte. Zusammen mit seiner Kollegin bietet er Stadtführungen per Handy. Wer z.B. vormittags ratlos am Ufer der Themse vor dem größten Riesenrad Europas steht und seinen 500-Seiten-Reiseführer im Hotel vergessen hat, kann alles Wissenswerte über das „London Eye“ via Mobiltelefon erfahren ...

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