Pécs. Aufruhr um Multikulti

Neben den anderen Europäischen Kulturhauptstädten 2010 Istanbul und Ruhr will sich Pécs als Kulturmetropole „ohne Grenzen“ präsentieren. Doch hinter den aufgemöbelten Fassaden gärt in Ungarn eine wachsende Feindseligkeit gegenüber Minderheiten




„Das ist einzigartig in ganz Europa“, freut sich Kulturhauptstadt-Programmdirektor Tamas Szalay über das „Symbol für das friedliche Zusammenleben der Kulturen in dieser Stadt“.

Aus dem Halbmond über der kupfergrünen Kuppel der ehemaligen Moschee am Hauptplatz von Pécs ragt ein Kreuz in den Himmel. Im 17. Jahrhundert hatten Österreicher und Ungarn die osmanischen Besatzer vertrieben. Als Zeichen setzten die neuen Herren das christliche auf das muslimische Zeichen auf die Kuppel der Moschee. Aus den islamischen Gotteshäusern wurden katholische Kirchen. So einfach ging das.

„Die Europäische Union“, schimpft der Pécser Bischof Mihaly Mayer, „will uns ihre liberalen Werte aufzwingen.“ Zur Gründung einer Religionsgemeinschaft reichen in Ungarn hundert Leute. Diese seien dann — wie sogar Scientology – den Kirchen gleichgestellt.
Die Krise, sagt Mayer weiter, sei weniger eine Wirtschaftskrise als eine des Vertrauens in die Menschen. Die Leute im Lande würden zu viel belogen.
Seine Worte klingen wie die Propaganda der rechten Jobbik-Partei, die bei den Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni 2009 landesweit fast 15 Prozent der Stimmen holte.

Für die, meint Mayer, sei der Nationalismus das Ziel und Gott nur Mittel zum Zweck. Die katholische Kirche stelle hingegen Gott und den Menschen in den Mittelpunkt. Immerhin betreibe die Kirche den einzigen „Zigeunerkindergarten“ des Landes. „Wir setzen auf Bildung“, lobt Mayer den Beitrag seiner Kirche zur Lösung des „Zigeunerproblems“.

Rund eine halbe Million „Zigeuner“, Roma und Sinti, leben in Ungarn. Wer mehr über sie wissen will, muss die frisch restaurierte Altstadt mit ihren schicken Straßencafés in renovierten Jugendstil- und Gründerzeit-Bürgerhäusern verlassen. Weit draußen am Stadtrand liegt das einzige Roma-Gymnasium Ungarns.
„In der Grundschule mussten wir Zigeunerkinder in der letzten Reihe sitzen“, erzählt dort die 17-jährige Krisztina. „So musste uns die Lehrerin nicht aus der Nähe sehen.“

Glaubt man den Umfragen, lehnen sechs von zehn Ungarn „die Zigeuner“ ab. Gründe finden sich. Mit ihrer Mutter und acht Geschwistern von mehreren Vätern lebte Krisztina in einem heruntergekommenen Zimmer. Mit zehn Jahren musste sie die Jüngeren allein versorgen, einkaufen, kochen und den Haushalt führen.
„Plötzlich hatte meine Mutter einen neuen Freund. Dann sollte ich wieder Kind sein.“ Nachhause will die Zehntklässlerin nicht mehr. „Meine Eltern lernen nicht aus ihren Fehlern“, sagt die junge, kräftige Frau mit dem runden Gesicht. „Sie streiten nur und machen nichts aus sich.“

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