Triest. Mörderische Normalität

Der Kaffeehandel machte die k.u.k. Hafenstadt Triest einst reich. An diese Epoche erinnern noch heute viele Kaffeehäuser, in denen sich Künstler und Schriftsteller von der Atmopshäre inspirieren lassen. Wie zum Beispiel Krimiautor Veit Heinichen.



Die Unscheinbaren sind es, vor denen man sich hüten sollte. Die Stillen, die allzu Normalen. Denn ihre Abgründe sind oft die tiefsten. Das gilt für Gewässer, für Menschen und wohl auch für Städte.

Triest ist zum Beispiel so eine unscheinbare Stadt. Ungewöhnlich erscheint sie nur, weil sie so ruhig ist – zumindest für italienische Verhältnisse. Aber was heißt hier schon Italien? Eine mitteleuropäische Stadt ist Triest, oft verglichen mit alten k.u.k.-Metropolen wie Wien, Lemberg oder Cernowitz. Und das nicht nur architektonisch.

Nach 19 Uhr, wenn in vielen Straßenzügen die Rollläden herunter gehen, wenn die Banken und Versicherungen ihre unsichtbaren Geschäfte einstellen und ihre blassen Helden in den Feierabend entlassen, dann ist Triest fast wie tot. Außer vielleicht auf der Viale XX Settembre, einer breiten Avenue in der Altstadt, gesäumt von Eschen und Platanen. Hier trifft sich seit jeher die Jugend der Stadt vor den Straßencafés.

„Andiamo fare vasche!“ Das heißt im örtlichen Dialekt so viel wie „Lass uns rauf und runter laufen!“ Die jungen Triestiner pflegen diese abendliche Lieblingsbeschäftigung mit Eleganz und Hingabe. Aber sonst? – Feierabend.

Jedes zweite Haus ist hier eine Bank oder eine Versicherung. Nimmt man noch den Hafen dazu, hat man jene Dreifaltigkeit, die diese einst multikulturelle Boomtown im 18. und 19. Jahrhundert groß machte. Und die seit jeher die Literaten anzog: Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Seume, Johann Joachim Winckelmann, Rainer Maria Rilke und James Joyce, Italo Svevo und Umberto Saba waren hier. Und fast alle gingen ins Kaffeehaus. Ins legendäre Caffè San Marco etwa oder, wie James Joyce meist, in die Konditorei Pirona. Kaffee und Dichtung – keine andere europäische Stadt steht so sehr für diese beiden Leidenschaften wie Triest.

„Es ist immer auch die Literatur, die den Mythos Triests geprägt hat“, sagt Veit Heinichen, den wir im Caffè San Marco treffen. Heinichen pflegt seit mehr als zwei Jahrzehnten eine heftige Affäre mit dieser Hafenstadt am Rande Italiens und lebt seit 1997 das ganze Jahr über hier. Wenn er nicht gerade recherchiert oder auf Lesereise ist.

Denn aus dem erfolgreichen Verleger in Deutschland wurde ein nicht minder erfolgreicher Triestiner Autor von Kriminalromanen. „Tod auf der Warteliste“, „Gib jedem seinen eigenen Tod“, „Die Toten vom Karst“, „Der Tod wirft lange Schatten“, „Totentanz“ oder „Die Ruhe des Stärkeren“ heißen Heinichens Krimis.

Im Mittelpunkt der spannenden Romane steht Proteo Laurenti, ein sympathischer Allerwelts-Kommissar aus Italiens Süden, ein Anti-Held und Familienvater, der in Triest lebt und arbeitet. Und der dabei viel im Dreck wühlt: Balkan-Mafia und italienische Faschisten, Waffenschmuggler und Organhändler, Geldwäscher und Spekulanten – Proteo Laurenti, in den Verfilmungen überzeugend verkörpert von Henry Hübchen, hat es selten mit Kleinkriminellen zu tun. Öfter schon mit den Großen, mit jenen im teuren Anzug ...

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