Norwegen. Wo ist Moby Dick?

Fangflaute im Nordatlantik: Die norwegischen Walfänger mussten sich eine neue Arbeit suchen. Jetzt zeigen sie die Lofoten erlebnishungrigen Touristen, die einen Blick auf Killerwale erhaschen wollen. Den Riesen des Meeres tut der Ansturm aber nicht gut.



Das Hafenstädtchen Svolvaer sieht einen Moment lang aus wie in einer Hochglanzbroschüre. Unterm hellblauen Himmel spiegeln sich rote Fischerhäuser im stillen, klaren Wasser. Dem weiten Blick übers Meer stellen sich da und dort nur schneebetupfte schroffe Felstürme in den Weg. Plötzlich schieben sich Riesenschwaden finsterer Wolken über den Hafen der Insel Austvägoy.

So rasch wie das Regendunkel kommt, macht es der Sonne wieder Platz. Wer im Winter Norwegens vorgelagerte Inselkette Lofoten besucht, den erwartet ein faszinierendes Energiezentrum der Natur mit launischem Wetter, dramatischem Licht und einer mystischen Landschaft voller Schlupfwinkel für die Seele.

Ferienhaus Nummer 15: Ein Holzsteg führt zur Pfahlhütte mit Schlafkammern, Wohnküche und Bad. „Rorbuer“, Rudererbuden, heißen die mit roter Tranfarbe vor Wind und Wetter geschützten modernisierten oder nachgebauten ehemaligen Fischerquartiere.

Ein König ließ im 12. Jahrhundert die ersten Rorbuer für Fischer errichten, die im Winter mit Ruderbooten in die ertragreichen Fjorde kamen. Als die einst üppige Speisekammer des Meeres den Lofot-Fischern nur noch reduziertes Angebot führte, kamen immer weniger Lachs-, Dorsch-, Heilbutt- und Heringsfischer in die nassen Jagdgründe. Die Pfahlbauten vergammelten oder wurden von Winterstürmen ins Meer gefegt.

„Dem Fremdenverkehr ist es zu verdanken, dass diese inseltypische Dorfarchitektur nicht verschwunden ist“, sagt Norwegenexperte Ole Nysetvold.

Der Wind pfeift in den nostalgischen Ferienhütten nicht mehr in den Ritzen, und er treibt auch keinen Schnee mehr durch die Balken. In stürmischen Nächten, wenn das Meer unter den Fenstern wütet, kommt aber wie vor Jahrhunderten Bewegung ins Gebälk und schaukelt den Gast in den Schlaf.

Die unfreiwillige Wackelpartie ist die nächtliche Einstimmung auf den kommenden Tag, wenn es an Deck eines Motorschiffes hinaus aufs Meer zur Wal-Beobachtung geht. Ein Dutzend in wasserdichtem Ölzeug gehüllte Österreicher, Engländer und Schweden stehen morgens an der Reeling, als das Schiff Svolvaer verlässt.

Mit zwölf Knoten (rund 22 km/h) scheucht Captain Odd den schweren Trawler durch die Wellen des Atlantiks. Vorm Bug spannt sich ein arktischer Himmel über das Meer, backbord droht uns ein Tief von den Bergen her einzuholen. Durch wulstiges Küstengrau lugen die zackigen Berge der Lofoten wie eine Armee von unheilvollen Zyklopen hervor: Ein Bild wie ein Szenengemälde aus einem dämonisch schönen Jahrtausende alten Nordlandmärchen – die Berge gehören zu den ältesten der Welt, viele von ihnen sind von der Eiszeit verschont geblieben.

Von Oktober bis Jänner locken riesige Heringsschwärme die Wale in den warmen Golfstrom am nördlichen Polarkreis: „Heute gibt’s beste Aussichten für eine Whale-Watching-Tour“, wagt der Captain eine optimistische Vorhersage.

Während der kulinarischen Festmonate der im Vestfjord lebenden Schwertwale, der „Killerwale“, habe man eine fast hundertprozentige Chance auf ein Rendez-vous mit „Moby Dick“. Der aber lässt auf sich warten ...

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