Nepal in der Armutsfalle

Shangrila, ein wundersames Land aus der buddhistischen Mythologie, das irgendwo im Himalaya liegen soll: Ein Ort der Freundlichkeit, ein Hort der Menschlichkeit und Ruhe. Doch Nepal ist ein realer, erschütternder Schauplatz am Fuße des Himalaya.



Nepal gilt als eines der zehn ärmsten Länder der Welt. Wenn es um das Pro-Kopf-Einkommen geht, ist das Himalaya-Land mit afrikanischen Armutsnationen wie Unganda, Ruanda oder Mosambik vergleichbar. Im asiatischen Raum ist nur noch Bhutan auf dieser Entwicklungsstufe. Das Bruttosozialprodukt von Nepal betrug zum Beispiel 2007 etwa 240 US-Dollar pro Kopf. Im gleichen Jahr waren es in Deutschland an die 37.000 US-Dollar.

Die Folgen dieser wirtschaftlichen Misere spürt die gesamte Bevölkerung von Nepal. Besonders hart trifft sie jene, die im sozialen Abseits stehen. Und möglicherweise ist alles noch viel schlimmer, denn bei den meisten statistischen Daten, die in Nepal erhoben werden, ist eines klar: Die Ungenauigkeit, gerade was arme ländliche Regionen betrifft, ist beträchtlich. An die 190 Euro verdient ein leitender Angestellter in Nepal pro Monat. Ein Fabrikarbeiter erhält etwa 20 Euro monatlich.

Die andere Seite: Wer mit einem nepalischen Mittelständler in dessen Lieblingsrestaurant essen geht, bezahlt am Ende für vier, fünf Personen gerade 3,50 Euro. Auch bei der Kaufkraft schneiden die 29 Millionen Einwohner Nepals kläglich ab: Hier bewegt es sich weltweit immer am Ende aller Ranglisten.

Wenn es um die soziale Entwicklung geht, sieht die Situation im Land ebenfalls nicht rosig aus: Die Analphabetenrate beträgt mehr als 50 Prozent; landesweit liegt die Säuglingssterblichkeit bei über 15 Prozent; die Lebenserwartung liegt bei 60 Jahren. Wobei die unterentwickelten ländlichen Regionen in diesen Bereichen weitaus tiefer anzusiedeln sind als der Großraum der Hauptstadt Kathmandu. Lebenserwartung und Säuglingssterblichkeit sehen in Westnepal noch viel schlimmer aus. Hier werden die Menschen nur etwa 40 Jahre alt, und die Frauen-Alphabetisierungsrate liegt bei etwa acht Prozent.

Schon Mitte der 1990er Jahre wurde Nepal in allen internationalen Studien als ein außerordentlich armes Land mit vielen sozialen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Problemen eingeschätzt. Als dann zwischen 2001 und 2006 ein Bürgerkrieg wütete, der wieder die ärmsten Regionen Nepals besonders hart traf, verschlimmerte sich die Lage. Die Jahre 2007 und 2008 standen im Zeichen einer fragilen Stabilisierung.

Aber immerhin wurden die ersten Wahlen im April 2008 noch von politischen Visionen bestimmt, deren ehrgeizige Ziele höchstens langfristig erreicht werden können. Fast alle Parteien haben im Rahmen ihrer Propaganda Nepal und ausgerechnet die Schweiz miteinander verglichen: Beide Länder hätten Berge, wurde gesagt, und das Himalaya-Land müsse nur föderalistisch werden – dies bei 110 Ethnien, die etwa 80 verschiedene Kulturen pflegen – und werde so zum Wohlstand gelangen.

Wer Nepal ausgiebig bereist hat, weiß: Es wird ein langer und steiniger Weg. Nur das Erreichen einer tragenden Stabilität wird für dieses Land, in dem jahrzehntelang Korruption, speziell auch Behördenkorruption, grassierte, eine große Herausforderung bleiben. Denn es muss auf sehr vielen Feldern zugleich gearbeitet werden: Die medizinische Versorgung liegt ebenso im Argen wie die Rechtssicherheit für Bürger, der Zustand der Straßen ist miserabel wie das Vertrauen der Bevölkerung in die Behörden oder die Armee. Letzteres wurde durch den Bürgerkrieg erst recht erschüttert. Viele Ämter und öffentliche Institutionen müssen von Grund auf wieder aufgebaut werden. Die besonders armen, ländlichen Regionen werden nicht zur Ruhe kommen, solange sie nicht von einer spürbaren Verbesserung profitieren können.

Zwar hat auch der urbanisierte Raum des Kathmandu-Tales zahlreiche Probleme, von denen viele nur gelöst werden können, wenn entsprechende Mittel vorhanden sind. Doch für die Menschen aus den ärmsten, am wenigsten entwickelten Landesregionen scheint die Hauptstadt ein Paradies zu sein, das Zentrum der Welt. Von Kathmandu wird die arme Landbevölkerung magnetisch angezogen.

Nur, vor Armut und Gewalt Flüchtende, die hier ankommen, landen sofort auf dem granitenen Boden der untersten Bereiche der Gesellschaft. Stark wachsende Ghettos aus Wellblechhütten an den Stadträndern, Obdachlose im Stadtzentrum, Straßenkinder, die Leim schnüffeln und vergreiste Gesichtszüge tragen – die Hauptstadt Kathmandu hat viele dunkle Zonen ...

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