Höchste Eisenbahn

Eine der schönsten Bahnstrecken der Welt feiert ihren 100. Geburtstag: Die Schweizer Berninalinie entführt die Fahrgäste auf 61 Kilometern von den Gletschern zu den Palmen.



Die Passagiere kommen aus allen Teilen der Welt – ob aus Tokio oder New York, aus Sydney oder Shanghai. Insgesamt sind es an die 700.000 Fahrgäste pro Jahr, die die sensationelle Streckenführung der als Unesco Welterbe geadelten Berninalinie bestaunen und sich an den feinsten Bergpanoramen ergötzen.

Der 61 Kilometer lange Abschnitt zwischen St. Moritz und Tirano in Italien zählt nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den steilsten Bahnstrecken der Welt. Das Besondere dabei: Steigungen von bis zu 70 Promille werden ohne technische Hilfsmittel wie etwa Zahnräder bewältigt.

Der Antrieb erfolgt allein durch Adhäsion, das heißt durch die Haftung der Räder auf den Schienen. Rund 3.000 Eisenbahnpioniere vollendeten 1910 um zwölf Millionen Schweizer Franken die von Anfang an elektrifizierte Strecke.

Um den Reisenden möglichst viel von der Schönheit der Landschaft zu zeigen, wurden wenige Tunnels, dafür viele spektakuläre Brücken und Viadukte mit eleganten Pfeilern und schmalen Bogen errichtet. Auf dem bis heute unverändert gebliebenen Meisterwerk der Ingenieurbaukunst ist der knallrote Bernina Express – neben dem Glacier Express zweites Aushängeschild der Rhätischen Bahn – unterwegs.

Das rote "Bähnli" befährt neben der Berninalinie auch die Albulalinie: In rund vier Stunden geht’s von Chur bis Tirano – durch drei Sprachregionen, 55 Tunnels und über 196 Brücken. Panoramawaggons sorgen für beste Ausblicke, im Sommer spüren die Fahrgäste in den Cabrio- Wagen die frische Bergluft im Gesicht.

Höchster Punkt der Berninalinie ist der 2.253 m hohe Berninapass. Hier genießen die Reisenden atemberaubende Ausblicke auf das über 4.000 m hohe Berninamassiv, auf den Piz Palü, auf Gletscher und Seen. Vom ewigen Eis braucht der Bernina Express nicht einmal eine Stunde ins stille Poschiavo-Tal im Süden Graubündens.

Mit jeden Kilometer, den sich der Bernina Express hinabwindet, wird es wärmer. Man sieht, Italien ist nahe. Zypressen vorm Zugfenster, Obstplantagen, Weingärten, Palmen. In Brusio, fünf Kilometer vor der italienischen Grenze, ein weiteres Wunderwerk der Baukunst: Um das steile Gelände mit einem Gefälle von 70 Promille zu meistern, schraubt sich der Bernina Express auf einem kreisrunden steinernen Viadukt um 360 Grad abwärts ins Tal. Ein wahrer Augenschmaus, nicht nur für Eisenbahnromantiker.

Mag. Christine Sicher

Mehr Reiseinfos unter: onrail.at

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