Orient für Anfänger

Mosaike, Moscheen und Minztee im Morgenland. Die lebendige Altstadt von Tunis zählt zu den schönsten der arabischen Welt und zieht seit dem Mittelalter die Menschen in ihren Bann.



Das überdachte Gassenlabyrinth der Medina von Tunis, der Altstadt, offenbart eine archaische Ordnung: Seit Jahrhunderten gehört jeder Zunft ein bestimmtes Viertel. Hier haben die Goldschmiede ihre Werkstätten und Verkaufsläden, dort die Schneider, da werden Parfums gemischt, dahinter Messingteller ziseliert. Buchhändler, Taschner, Färber, Bäcker und Töpfer sind im Souk ebenso zu Hause wie Cafés, Barbiere und Hammams.

Im Quartier der Schuhmacher entstehen vor unseren Augen die berühmten Babouches in knalligen Farben, weiche spitze Lederpantoffel. Typisch tunesisch ist auch die Kopfbedeckung Chechia. Doch der betagte Jamal ad-Din, ein Filzkappenerzeuger in sechster Generation, blickt sorgenvoll in die Zukunft. Die modernen jungen Männer tragen das rote Accessoire kaum noch. Und die älteren und ärmeren greifen zu industriell erzeugten Produkten. Daher will auch Jamals Sohn Nabil kein Chechouachi werden, obwohl heute oft Touristen einen solchen „nordafrikanischen Fez“ erstehen.

Neben exquisitem Kunsthandwerk wie Berberteppichen oder Silberschmuck findet sich im Souk freilich auch fernöstlicher Ramsch. Im Marktbereich zwischen Bab el-Bahri, dem „Meertor“, und der Ölbaummoschee passt sich das Angebot zunehmend dem Geschmack der durchgeschleusten Reisegruppen an.

Bisweilen lauern da Beznezzas auf Opfer, windige Zeitgenossen, die Touristen in den nächsten Souvenirshop abschleppen. Weil der Laden angeblich ihrem Onkel oder Bruder gehöre, versprechen die Schlepper dem plötzlich zum „Habibi“, zum „Haberer“, mutierten Fremden sagenhafte Rabatte, aus reiner Freundschaft, versteht sich.

Verlässt der Besucher den Souk Richtung Süden, landet er auf einem Boulevard, der nach Tunesiens Unabhängigkeitspräsident Habib Bourguiba benannt ist. Eine neoromanische Kathedrale und vis-à-vis ein Jugendstiltheater erinnern an die Protektoratszeit. Längst hat die „Jeunesse tunisienne“ von dieser mediterranen Flaniermeile Besitz ergriffen und bevölkert die Cafès und die breite Promenade in der Straßenmitte. Friedlich kohabitieren hier Kopftuch und Minirock.

Plötzlich springen den Betrachter wilde Tiere an. Unvermutet taucht Neptun auf, die Haarsträhnen voller Algen und Meeresgetier. Göttin Venus reitet lasziv auf einem Kentauren. Mancher zu Wohlstand gekommene römische Bürger, der sich solche Mosaike in seiner Villa leisten konnte, wollte klassische Bildung demonstrieren: Odysseus lauscht auf seinem Schiff festgebunden dem Gesang der Sirenen, und der Dichter Vergil hält seine Aeneis in den Händen – antike Comics, heute allgemein zugänglich im Musée Nacional du Bardo, dem ehemaligen Palast des türkischen Beys ...

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